Christina Schneyder: 10 gute Gründe für dabei-austria 10 gute Gründe für dabei-austria Berufliche Inklusion braucht starke Netzwerke – genau hier setzt dabei-austria an. Als Informationsdrehscheibe, Vermittler und Sprachrohr unterstützt die Organisation Menschen mit Beeinträchtigungen und ihre Interessenvertretungen. Im Interview mit Geschäftsführerin Christina Schneyder sprechen wir über 10 gute Gründe für dabei-austria und die Bedeutung der Organisation für Inklusion in Österreich. Was ist dabei-austria – ein Verein, eine Lobbygruppe, ein Dienstleister? Christina Schneyder: Wir sind der Dachverband Berufliche Inklusion Austria, die bundesweite Interessenvertretung für 97 Mitgliedsorganisationen, die Menschen mit Behinderungen und ausgrenzungsgefährdete Jugendliche täglich dabei unterstützen, einen Job zu finden und zu behalten. Wir sind ihre Stimme nach außen, gegenüber Politik, Medien und Öffentlichkeit. Wir bündeln ihre Erfahrungen, vertreten ihre Interessen und schaffen die Rahmenbedingungen, damit ihre Arbeit funktionieren kann. Welche Themen bringen Sie in die politische Diskussion ein? Christina Schneyder: Im Kern geht es um eine stabile Finanzierung der Maßnahmen für berufliche Inklusion, um bessere Rahmenbedingungen und die konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die Österreich 2008 ratifiziert hat. Konkret heißt das: weg von kurzfristigen Fördertöpfen, hin zu verlässlichen Strukturen. Inklusion funktioniert nur, wenn sie nicht jedes Jahr neu erkämpft werden muss. Drohen Kürzungen bei Inklusionsmaßnahmen? Christina Schneyder: Die Gefahr ist real und sie taucht immer wieder auf. Dabei zeigen die Zahlen klar: Wenn Menschen mit Behinderungen die richtige Unterstützung bekommen, gelingt der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Kürzungen an dieser Stelle sind kurzsichtig für die betroffenen Menschen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt. Arbeit bedeutet mehr als Einkommen: sie schafft Sinn, soziale Teilhabe und Perspektive. Wer Menschen mit Behinderungen vom Arbeitsmarkt ausschließt, verschenkt Potenzial – menschliches wie gesellschaftliches. Sie beschreiben sich als Informationsdrehscheibe und Vernetzungsplattform. Was bedeutet das konkret? Christina Schneyder: Wir beantworten Fragen zur beruflichen Inklusion für Organisationen, Politik und Medien. Wir beobachten rechtliche Entwicklungen, werten Daten aus und geben dieses Wissen weiter. Wenn neue Gesetze kommen oder sich Förderrichtlinien ändern, sind wir diejenigen, die das für unsere Mitglieder einordnen. Und wir bringen Organisationen zusammen, die voneinander lernen können: regional, überregional und international. Politische Forderungen von dabei-austria dabei-austria ist auch international vernetzt. Warum ist das relevant für eine Organisation, die in Österreich arbeitet? Christina Schneyder: Weil die besten Lösungen selten neu erfunden werden müssen. Andere Länder haben Ansätze entwickelt, die funktionieren, etwa im Bereich des Supported Employment, also der Begleitung von Menschen ins Arbeitsleben. Durch internationale Netzwerke können wir diese Erfahrungen nach Österreich bringen und unsere Forderungen auf einer breiteren Basis argumentieren. Sie bieten Fortbildungen für Fachkräfte in der beruflichen Inklusion an. Wer braucht das – und warum reicht Grundausbildung nicht? Christina Schneyder: Berufliche Inklusion ist ein Fachgebiet, das sich laufend verändert: neue Gesetze, neue Zielgruppen, neue Methoden. Unsere Fortbildungsangebote richten sich an die Menschen, die täglich mit arbeitssuchenden Personen mit Behinderungen arbeiten, von der Arbeitsassistenz bis zum Betriebsservice. Wir bieten NEBA-Fachtage für den überregionalen Austausch, eine zertifizierte Case-Management-Ausbildung in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Care und Case Management, sowie das Betriebliche Inklusionsmanagement für alle, die Kontakte zwischen Menschen mit Behinderungen und Unternehmen knüpfen. Gute Inklusion braucht professionelle Begleitung, und die setzt kontinuierliche Weiterentwicklung voraus. Inklusion klingt nach einem gesellschaftspolitischen Wert. Ist das auch ein wirtschaftliches Argument? Christina Schneyder: Eindeutig. Menschen mit Behinderungen, die einen passenden Job gefunden haben, bleiben ihren Betrieben überdurchschnittlich lange erhalten. Für Unternehmen, die nach loyalen Fachkräften suchen, ist das ein handfestes Argument. Es geht nicht darum, jemandem eine Chance zu geben – es geht darum, Potenzial zu erkennen, das sonst übersehen wird. Wie erklären Sie das Thema Menschen, die damit bisher wenig zu tun hatten? Christina Schneyder: Indem wir konkret werden. Nicht Statistiken, sondern Geschichten. Inklusion passiert täglich, in Werkstätten, Büros, Supermärkten. Unsere Öffentlichkeitsarbeit, unsere Veranstaltungen und unser Podcast sollen zeigen: Das ist keine Nischenthematik. Das betrifft Unternehmen, Schulen, Familien, die gesamte Gesellschaft. Berufliche Teilhabe von Frauen mit Behinderungen ist ein eigener Schwerpunkt bei dabei-austria. Warum braucht es das? Christina Schneyder: Weil Frauen mit Behinderungen doppelt benachteiligt sind, am Arbeitsmarkt als Menschen mit Behinderungen und zusätzlich durch den nach wie vor bestehenden Gender Pay Gap. Wir adressieren das mit einem eigenen jährlichen Schwerpunkt, weil allgemeine Maßnahmen diese spezifische Situation oft nicht ausreichend berücksichtigen. Was wäre Ihr Wunschbild eines inklusiven Arbeitsmarkts? Christina Schneyder: Einer, in dem die Frage „Können die das?” nicht mehr gestellt wird – sondern nur noch: „Was brauchen sie, um ihr Potenzial einzubringen?” Und strukturell: ein System, das stabil genug ist, um Menschen mit Behinderungen auch in schwierigen Zeiten nicht fallen zu lassen.